Video der "Ölspur" Aktion am 16.5.2003 (ca.20 min) Videoaufnahme: Kira Stein, Schnitt/Ton: Heiner Metzger
mit den Aktionskünstlerinnen:
Liselotte Abels, Anke Brix, Jan Böh, Kerstin Büttner, Karin Clasing, Christa Dircks, Sabine Finne, Giovanna Genth, Judith Haman, Heidemarie Heeren, Eva Hiort, Julia Hoffmeister, Ulrike Jedamzik, Christoph Koch, Martina Kunzendorf , Ingrid Nikas, Carmen Obstoj, Helga Rimpau, Ulrike Schultz, Ella Willnat
ÖLSPUR
Eine Vernetzung von 100 Kissen mit den Bewegungen von 21 Menschen.
Im Rahmen von City-Nord-Mehr entstand am 16. Mai 2003 vor dem Hause von RWE/Dea, Überseering 40, 22297 Hamburg, eine Ölspur.
Herstellung
Auf jeder Seite der gelegten Kissenreihe standen 10 Teilnehmer. Beidseitig von jedem Ende der gelegten Kissenreihe kommend wurden jeweils 3 Kannen mit Teer gefüllt, so daß gleichzeitig auf den Kissen Spuren entstanden. Die Spur des Vorherigen wurde aufgegriffen, weitergeführt, überlagert; knieend, stehend, geduckt, einige Schritte gehend, rechte Hand, linke Hand, die Kanne weiterreichend.
Die Kannen wurden 2 x gefüllt. Jeder goß in seiner Art der Bewegung und Intention. Dem voraus ging das Erproben verschiedener Gefäße und Möglichkeiten des Gießens auf Papier.
Material
Öl:
Das Öl hat seinen Namen vom Olivenöl, der Substanz, die für die Maler der italienischen Renaissance so wichtig war.
Für uns war es naheliegend, sich auch mit dem Rohöl und seinen Produkten auseinanderzusetzen, die Unterschiede herauszuarbeiten zwischen den fetten,
klebrigen Stoffen der Erdöl-Raffinerien und unseren Ölfarben und Pigmenten für Tempera und Acryl.
Erdöl, Teer und Bitumen bestehen aus dickflüssigen, hellen, dunklen, grünlich fluoreszierenden Flüssigkeiten. Das Braunschwarz, das tiefe fette Schwarz des Bitumens gegenüber der Zartheit des Elfenbeinschwarz, das ursprünglich vom verbrannten Elfenbein der Stoßzähne der Elefanten stammt oder das Eisenoxydschwarz oder der Kienruß, der so staubt, oder..., oder natürlich die Möglichkeit, ein Schwarz zu mischen aus den Grundfarben unseres
Farbkreises. Dafür benutzen wir dann Terpentinöl-Balsam, Leinöl und Baumharze.
Bitumen:
Wir haben uns für Bitumen entschieden, da es von seiner Farbigkeit und seinem Glanz der Anmutung des Erdöls am Nächsten kommt.Wie man es sich vorstellt, daß es aus der Erde geschossen kommt, so dickflüssig und schwarz.
Kissen:
Um die Kostbarkeit des Materials hervorzuheben.
These:
Das Material Erdöl, aus dem Zersetzungsprozeß von Pflanzen und Lebewesen entstanden, kann in uns eine Erinnerung wachrufen an die Wärmeenergie der Fossilien, an die Gewinnung des Erdöls, seiner Bewegung von den Lagerstätten zu z.B. einem weichen, weißen Kissen.
Erinnern:
machen, daß jemand einer Sache inne werde
Judith Haman
Bildende Künstlerin und Kursleiterin der Hamburger Volkshochschule,
Kursthema: Farbe als Material.
Die Teilnehmer an der Ölspur zeigen Arbeiten, die im Kurs entstanden sind.